Fertigung auf Weltklasseniveau

Wie gelingt das einem großen, mittelständischen Automobilzulieferer wie VOIT Automotive?

Astrid Wilhelm WagnerOEM und Lieferant sprach mit der Leiterin für Public Relations & Marketing, Astrid Wilhelm-Wagner, darüber, wie es einem mittelständisch geprägten Unternehmen wie VOIT Automotive gelingt, in diesem Markt zu bestehen.

Angefangen 1947 als eine Stanz- und Prägewerkstatt für typische Nachkriegszeit-Kleinteile, wie beispielsweise Schuheisen, Tankdeckel oder Spardosen ist VOIT Automotive heute ein international agierender Systemlieferant für die Automobilindustrie mit rund 1.600 Beschäftigten. Das Technologieunternehmen mit Familientradition entwickelt und fertigt hochpräzise kundenspezifische Aluminium-Druckgussteile sowie Komponenten in Stanz-, Zieh-, Biegeroll- und Warmumformtechnologie.

In über 250 Fahrzeugmodellen und 45 Marken steckt die VOIT-Technologie. Jährlich werden zirka 140 Millionen der VOIT-Teile bei Audi, BMW, Mercedes-Benz, VW, Ford, Opel, Chrysler, Jaguar, Landrover in Funktionsbereichen, wie Triebwerk, Kraftstoffversorgung, Antriebsstrang, Assistenzsystemen und Karosserie verbaut. Als zuverlässiger Hersteller, Technologieführer und Entwicklungspartner ist VOIT Automotive mit gefragten Leistungen auch auf technologischen Zukunftsmärkten wie beispielsweise Lightweight Design, Efficiency, Comfort & Safety und Powertrain präsent.

 

Astrid Wilhelm-Wagner: Der Dreh- und Angelpunkt ist das Leistungsportfolio. Es gehört hinsichtlich des Produkt- und Prozessspektrums in zunehmend kürzeren Zeitabständen auf den Prüfstand und muss hinterfragt werden. Sind die angebotenen Leistungen für die rasant fortschreitende Entwicklung der Mobilität international noch gefragt und wohin entwickelt sich der Markt? Bewegt sich das Produktspektrum innerhalb definierter erfolgsversprechender Zukunftsfelder weiter nach vorne? Ist ein großes Artikelspektrum in seiner Umfänglichkeit noch effizient zu fertigen und sinnvoll? Ebenso wichtig ist die Prozesstechnik. Wie lässt sich die Prozesseffizienz erhöhen und dadurch die Kosten senken? Wie überträgt man seinen hohen Technologiestandard sicher und stabil auf seine internationalen Tochterunternehmen?

Wie richtet VOIT Automotive sein Produktportfolio auf die Herausforderungen der Märkte ein?

Astrid Wilhelm-Wagner: Mit drei großen Technologiesparten unter einem Dach, nämlich Kalt- und Warmumformung sowie Aluminiumdruckguss. VOIT hat dazu vor einigen Jahren seine Voit Grafik gross„Futurefields“ neu definiert und verfolgt zielstrebig die Strategie, neue Geschäftsfelder auf den Zukunftsmärkten Lightweight Design, Efficiency, Comfort & Safety (autonomes Fahren/Fahrerassistenzsysteme) und Powertrain zu generieren. Unter Berücksichtigung personeller und finanzieller Ressourcen fokussieren sich unsere Experten auf Bauteil- und Anwendungsspektren, bei denen man die Anforderungen der Bauteile und die Besonderheiten der Anwendung besonders gut kennt. Dazu gehören zum Beispiel in der Sparte Aluminiumdruckguss einbaufertige kundenspezifische Powertrain-Komponenten für Doppelkupplungs- und Automatgetriebe sowie für zukünftige Getriebekonzepte Zwischenplatten, Kolben, Töpfe sowie Hybrid-Bauteile. Zum Portfolio seiner Werke am saarländischen Stammsitz in St. Ingbert und in Polen gehören außerdem Elektronikgehäuse für Start-Stop, Einspritzpumpengehäuse, Platinenträger, Kühlelemente für die Steuerungs- und Leistungselektronik sowie im Bereich Lenkung Motorgehäuse für elektrische Lenkhilfe und Lagerschilde. In den nächsten Jahren wird sich das Zielproduktspektrum zunehmend auf Getriebeinnenteile, Gehäusestrukturen für die E-Mobility, Gehäusestrukturen für Leistungselektronik, Elektromotorengehäuse sowie Komponenten zur Energierückgewinnung und Brennstoffzellenstacks, teils mit aktiver Flüssigkeitskühlung, ausweiten.

Inwieweit spielt dabei die Spezialisierung und hohe Standardisierung der Fertigungsprozesse eine Rolle?

Astrid Wilhelm-Wagner: Durch die Spezialisierung auf wenige Fertigungsverfahren für hochkomplexe Produkte gehört VOIT zu den gefragten Partnern für prozesssichere, hochvolumige Fertigung. Seit Jahresbeginn erlaubt eine neue Gießzelle im bereits 30 Anlagen starken St. Ingberter Gießzellenpark deutlich größere Bauteile als bisher. Sie bedient sich einer innovativen frequenzgeregelten Steuerung und punktet mit einer Vielzahl neuer Features. Die weiteren Vorteile liegen bei teilweise kürzeren Prozessschritten und einer besseren Einsatz-Flexibilität gekoppelt mit einer deutlich positiveren Energiebilanz bei der Produktion. Anlass für diese Investition war sowohl der Wille seitens VOIT, sich auf dem Gebiet der E-Mobilität mit Komponenten für energieeffiziente Antriebe, bzw. Getriebeinnenteile besser zu positionieren, als auch der Großauftrag eines namhaften OEM für ein sehr komplexes Antriebsbauteil. Der Prototypenfertigung werden zeitnah Großserienproduktionen folgen, sowohl für neue Produkttypen als auch für
laufende Serienproduktionen. Die neue Anlage ist hochgradig flexibel und redundant, so dass auch laufende Serienproduktionen abbildbar sind – ein hervorragendes Beispiel einer zielführenden Standardisierungsstrategie. Die Standardisierung durch ein gruppenweites Produktionssystem, das Maschinen, Werkzeuge, Abläufe etc. umfasst, führt zu einer signifikanten Verminderung der Prozessineffizienzen, einer Reduzierung  der Komplexität sowie zu einer Verringerung von Beständen über die ganze Wertschöpfungskette. Eine Verbesserung der Kostenstruktur und Beruhigung der Fertigungsprozesse bringt auch die Bereinigung des Artikelspektrums und die Konzentration auf „ähnliche“ Bauteile und Komponenten. Das gewonnene Fertigungsprozess- Know-how lässt sich dann nämlich auf Neuprodukte übertragen, so dass der Serienanlauf ruhiger erfolgen und deutlich schneller eine qualitätsstabile Fertigung erreicht werden kann.fertigung

Wie gewährleistet Voit Automotive einen durchgängigen Qualitätsstandard in seinen Werken und wie wird dabei der Technologietransfer gestaltet?

Astrid Wilhelm-Wagner: Ein gutes Beispiel dafür ist das im Frühjahr 2015 neu entstandene und im Winter 2015 bereits um eine weiteren AIDA-Presse erweiterte VOIT-Großpressenzentrum in St. Ingbert. Dort werden auf Transfer- und Tiefziehpressen bis 24.000 kN, Stahlcoils von Materialstärken bis zu 8 mm kalt umgeformt. Das gesamte Produktspektrum in den Umformwerken in St. Ingbert und Mexiko umfasst Komponenten für Planetenträger, gesperrte oder hydraulisch/ elektrisch sperrbare Differentialgetriebe, Achs- und Automatikgetriebe sowie Unterbaugruppen von Getriebeteilen, Wandlern, Lamellenträgern und Lamellenmitnehmern mit weiteren Füge- und Veredelungsprozessen, Montage- und Prüfleistungen. Weiterhin Gehäuse für Hybridelektronik und Elektroantriebe  sowie für Bremskraftverstärker. Kontinuierliche Prozessoptimierung am Hauptstandort in St. Ingbert bedingt auch weltweiten Erfolg. Mit diesen Großanlagen und bestehenden Anlagen in den Sparten Umformtechnik und Aluminiumdruckguss wird ein neuer Standard mit dem Ziel des weltweiten Technologietransfers an alle VOIT-Gesellschaften geschaffen: Duplizierbar, pflegbar, ausbaubar. Standardisierung & Technologietransfer sind entscheidende Kriterien für den internationalen Erfolg. Zunehmend werden daher am Stammsitz erprobte, optimierte und etablierte Organisationsstrukturen sowie Fertigungs- und Standardisierungsprozesse als neuen Standard auf alle Firmen des VOIT Unternehmensverbundes übertragen und ausgebaut. Dies erfolgt mit großer Sorgfalt und großem Engagement aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Dies wird sich auch in der nordamerikanischen Wirtschaftszone (NAFTA) auszahlen und im nächsten Schritt am Ende der Dekade auch auf dem chinesischen Markt, wo wir uns in Zukunft stärker engagieren wollen, da die automobilen Trends zu Automatgetrieben, Hybriden usw. globaler Natur sind. Mit jedem weiteren Schritt in diese Richtung wird der notwendige Global Footprint erreicht, der heute von großen Automobilherstellern von seinen Zulieferern erwartet wird. Dem will und wird VOIT mit dem Ausbau bestehender und weiter Standorte bei hoher wirtschaftlicher Profitabilität begegnen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Bilder: © VOIT Automotive

(Quelle: OEM&Lieferant Ausgabe I/2016)

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